Konzertbericht

Marcus Wiebusch

And The Golden Choir

Aufregung und Posaunenklang beim Debüt

Ampere, München
01.05.2014

„Alle haben zu mir gesagt, ich soll zuerst in Hamburg spielen - aber das wäre feige gewesen!“, lacht Marcus Wiebusch vergnügt. An diesem Donnerstagabend steht Kettcar-Sänger Marcus Wiebusch im Münchner Ampere vor der allerersten Clubshow seines Soloprojekts – und ist ganz einfach aufgeregt. Dabei besteht dazu gar kein Grund, denn alle Vorzeichen stehen für ein gelungenes Debüt. Das Ampere ist gut gefüllt und schon beim Supportact And The Golden Choir stehen die Menschen dicht gedrängt vor der Bühne.

And the Golden Choir ist das Bandprojekt des Kettcar-Produzenten Tobias Siebert, der mit einem Glas Rotwein und Gitarre bewaffnet ganz alleine auf der Bühne steht. Das Glas Wein wird auf einem antik wirkenden Tischchen mit Plattenspieler abgestellt, ehe sich das Vinyl zu drehen beginnt. Es knistert in den Boxen und dann dringt daraus träumerisch schwelgender Indiepop hervor. Eine grandiose Idee, sämtliche Instrumente auf Vinyl aufzunehmen und sich so als One-Man-Band nur von der Platte begleiten zu lassen. Tobias Siebert schafft mit seinem Gesangsorgan höchste Tonlagen und kreiert mit seinem Gitarrenspiel und den zarten Bässen eine tolle Atmosphäre.

Dann steht das große Debüt von Marcus Wiebusch an, der den Abend mit „Das Böse Besiegen (Der Exorzismus Des David R)“ verheißungsvoll beginnt. Das anschließende „Springen“ erinnert noch am ehesten an alte Kettcarsongs und glänzt in der Liveversion durch treibende Gitarrenakkorde, die schnell in die Beine gehen. Marcus Wiebusch lässt sich auf Tour von einer achtköpfigen Band begleiten, ein Luxus der dem abwechslungsreich instrumentierten Debütalbum „Konfetti“ auch voll gerecht wird. Die drei Bläser auf „Nur Einmal Rächen“ kommen live toll heraus. Generell ist der Sound perfekt abgemischt, jeder Ton sitzt. Lediglich an die Rappassagen muss sich mancher noch gewöhnen, aber experimentielle Songs wie „Haters Gonna Hate“ mit den altbekannten tiefgründigen Texten stehen Marcus Wiebusch gut zu Gesicht.

Da das neue Album nur 11 Songs umfasst greift der Kettcar-Frontmann tief in die musikalische Trickkiste – und liefert mit „Balkon Gegenüber“ plötzlich einen Kettcar-Klassiker im neuen musikalischen Akustikgewand ab – einer neuen zweiten Strophe inklusive. „Jetzt kommt ein Song, der hat eine Pete-Doherty-Zeile: ‘Fuck Forever‘, mehr habe ich mich nicht getraut zu klauen, damit die Anwälte nicht kommen…“, meint Marcus Wiebusch als Ansage. Dann folgt mit „Wir Waren Eine Gang“ eine Zeitreise in die Jugend der 80er Jahre – und die tatsächlich im Refrain mit der Zeile „Und die Kids schrien ‚Fuck Forever!‘“ aufwartet.

Auf „Dieser Tag Wird Kommen“ rappt Markus Wiebusch dann mit Sprechgesang gegen Homophobie und Fremdenhass in Fußballstadien. Der Song ist schon lange vor dem Coming Out von Thomas Hitzlsperger und der Bananenaffäre um Dani Alves entstanden, aber heute aktueller denn je. Auch hier sorgt die Kombination aus feierlichen Bläsern und dem bissigen Sprechgesang von Marcus Wiebusch für eine Gänsehautatmosphäre.

Als Zugabe gibt es „48 Stunden“ von Kettcar und die Hamburghymne „Schrilles Buntes Hamburg“ in einer Akustikversion. Danach verschwindet Marcus Wiebusch, nur um nach erneuten Begeisterungsstürmen des Publikums erneut mit der Band die Bühne zu betreten. Sichtlich entspannt auf Grund des gelungenen Debütabends ruft er zur Publikumsabstimmung mit Tierlauten auf. Hier gewinnt „Was Wir Tun Werden“ gegen „Off“ – und wird damit noch einmal gespielt. Nach dieser insgesamt dritten Zugabe endet ein herausragender Konzertabend – wobei das beste Fazit Marcus Wiebusch höchstpersönlich liefert: „Vielen Dank für den tollen Abend. Ich war aufgeregt und jetzt bin ich stolz.“

Michael Hellstern03.05.2014

TRACKLIST

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