Konzertbericht
Highfield Festival
Groß Pösna
20.08.2010
Seit 12 Jahren existiert nun schon das Highfield Festival und begeistert eine jährlich steigende Anzahl von Musikfans. So haben sich auch dieses Wochenende knapp 30 000 Musikfans zusammengefunden, um bei perfektem Sommerwetter 3 Tage voller Spaß und Musik zu zelebrieren. Erstmals in der der neuen Location am Störmthaler See bei GroßPösna.
Es gibt wieder zwei Bühnen. Eine Hauptbühne und eine Zeltbühne. Der Freitagnachmittag startet schon sehr annehmbar und nach Frank Turner und Millencolin steht mit The Gaslight Anthem das erste Highlight des Festivals auf der Bühne. Die Band aus New Jersey weiß mit einem gekonnten Mix aus Punk-Rock Attitude und Americana Spirit zu überzeugen. Punkige Songs treffen auf Geschichten aus der Arbeiterklasse und Frontmann Brian Fallon steht eine Zukunft als einer der besten Songwriter der USA bevor. Gogol Bordello liefert wieder ein Feuerwerk aus Folk und Ethno Punk ab und auch die frisch wiedervereinten Wizo und Wir sind Helden wissen mit Spielfreude und Publikumsnähe zu überzeugen. Es wird viel getanzt und gefeiert. Die Leute haben Spaß und passen dabei aber auch aneinander auf. Wer zu Boden geht dem wird wieder aufgeholfen und selbst beim Schuhe binden etc. muss man keine Sorge haben überrannt zu werden, da trotz ausgelassener Partystimmung jeder auf seinen Nachbarn aufpasst. Beispiellose Fairness.
Headliner des Freitags sind Billy Talent. Die Indie / Alternative Rock Band aus Kanada hat in den letzten Jahren drei hervorragende Platten auf den Markt gebracht voller frischer und kraftvoller Mitsingsongs, die trotzdem nicht zu kommerziell sind. Auch textlich zeichnet sich ihr Songwriting positiv aus. Live kann die Band um Sänger Benjamin Kowalewicz leider nur bedingt überzeugen.
Der Druck von der Bühne ist da, aber irgendwie scheinen die vier Jungs mit angezogener Handbremse zu fahren. Besonderer Schwachpunkt ist die Stimme. Zu oft scheitert Ben in den hohen Passagen und lässt selbige lieber von seinem Gitarristen singen und auch die Ansagen ans Publikum sind mit „Hey you fuckers, let´s dance“ relativ schnell ausgereizt. Die Band war die letzten Jahre sehr viel auf Tour. Vielleicht tut hier eine längere Pause gut, um anschließend wieder frisch ans Werk gehen zu können.
Tag 2 des Festivals beginnt auch wieder mit super Wetter und einigen guten Bands. Besonders nachverfolgenswert sind State Radio, welche auf der Zeltbühne einige hundert Zuschauer begeistern, die inzwischen aus dem post-Partyschlaf erwacht sind. Derweil wissen The 69Eyes auf der Hauptbühne nicht zu überzeugen. Das Classic Rock Quintett aus Helsinki bemüht sich, aber die „Aus dem Frontmann Handbuch“ Posen von Frontmann Jyrki bleiben leer und die beiden Gitarristen schaffen es an diesem Nachmittag zu zweit nur knapp den Part zu erfüllen, den sonst ein einziger Gitarrist hinbekommen hätte.
Im direkten Gegensatz dazu haben die Broilers und selbst auch Revolverheld ihr Publikum sofort im Griff und auf einmal ist Leben vor der Bühne. Die nun gehobene Stimmung wird von Danko Jones bestens aufgegriffen. Der Kanadier hat mit seinem Trio das Publikum sofort im Griff. Die rockende Bad Ass Attitude zündet und die Pausen zwischen Songs werden ausgiebig zur Interaktion mit dem Publikum genutzt. Ein sehr guter Auftritt. Der Danko Jones Hit „Do you kiss on the first date“ wird noch lange als vielleicht DER Hit des Festivals in Erinnerung bleiben.
Madsen sind live besser als erwartet und wissen zu begeistern. Als nächstes stehen Unheilig auf dem Programm, die gleich erst einmal einen Schiffsbug und Kerzen als Bühnendekoration mitbringen. Mit einer Stimme in der Rammstein - Klangfarbe und einem hohen Balladeneinschlag schafft das Quartett eine wohlige theatralische Stimmung, die einen mit einnimmt, selbst wenn man die Musik nicht als Fan erlebt. Frontmann „Graf“ gefällt dies, und besonders scheint er sich selber zu gefallen. Die ganze Show entwickelt sich zu einer Inszenierung seiner selbst und irgendwie ist man am Ende dann froh als es letztendlich vorbei ist, auch wenn man den Bann der Musik nicht verschweigen kann.
Kurz darauf betritt ein weiterer Egomane die Bühne. Komplett in Weiß gekleidet, zusammen mit seiner Band, Brian Molko mit Placebo. Zaghafte Ansagen auf Deutsch zwischen den Liedern, aber ein sehr überzeugendes und kraftvolles Set wird geboten. Mit Mütze und Streberbrille ist Brian zuerst gar nicht zu erkennen aber die unverwechselbare Stimme, die unverwechselbaren Songs, die ins Ohr gehen, sich aber doch nicht greifen lassen. In ihrer Alternativschiene haben Placebo etwas Einzigartiges geschaffen und die Begeisterung des Publikums gibt ihnen recht. Ein gelungener Samstagabend.
Am dritten Tag des Festivals ziehen erste Wolken am Himmel auf und auch dem Publikum ist anzumerken, dass schon seit zwei Tagen gefeiert wird. Dementsprechend hängen auch nur wenige Hundert Gestalten auf dem Areal um sich Bands wie Minus the Bear, Jennifer Rostock und die Goldhawks anzuhören.
Erst der fröhliche Ska der Mad Caddies bringt langsam wieder Schwung in die Runde. Bela B weiß mit seinem Soloprojekt leider nicht wirklich zu überzeugen, ihm fehlt wohl das Charisma von seinem Frontmann Farin Urlaub, aber das Publikum ist nun hungrig auf Party und spätestens zu Fettes Brot ist die Stimmung wieder auf dem Höhepunkt und lässt sich auch nicht mehr durch beständig zunehmende Regentropfen abkühlen.
Headliner des Tages und letzte Band des Festivals sind Blink 182. Die Jungs stehen zwar alle kurz vor der 40, aber ihr fröhlicher pubertärer Punk Rock weiß zu überzeugen, eine Show inkl. Hebebühne für das Schlagzeug und Konfettiregen am Ende haben die Jungs auch dabei und Songs wie „All the small things“ werden die meisten am Publikum mit einem fröhlichen Grinsen daran erinnern als sie das erste Mal den Film „American Pie“ gesehen habe. Ein klasse Abschluss für 3 friedliche und ausgelassene Tage.
Übrigens: Nächstes Jahr soll es einen direkten Zugang zum Badesee vom Festivalgelände aus geben. Die Vorfreude startet schon jetzt.
Konrad Joe, 26.08.2010
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