Special
Juliette Lewis & The new Romantiques rocken den Ring
Auf dem diesjährigen Rock am Ring Festival stellte keine Geringere als Juliette Lewis Ihr Können unter Beweis und belehrte auch noch die letzten Zweifler, dass Ihr Gesangstalent gleichauf zieht mit ihrem Schauspielkönnen. Die Sängerin, die manchen wohl besser unter dem Pseudonym Malory Knox bekannt ist, war die Dritte die am Freitag Nachmittag die Centerstage des Nürburgrings betrat.
Nach der Trennung von Ihrer Band ("The Licks") anfang 2009, rockte Sie mit neuem Rückrat namens "The new Romantiques" die Menge. Sie war der Hauptgrund, warum ich überhaupt zum diesjährigen Ringrocken angetreten war. Diese Frau hält was Sie verspricht und übertraf auch dieses Mal wieder all meine Erwartungen.
Meines Erachtens waren Konzerte auf der Centerstage in diesem Jahr mehr als nervig. Mit insgesamt 3 Wellenbrechern, war es schier unmöglich den Kampf durch die Menge zu gewinnen und trotz knapper Verspätung seine Rockgötter, zumindest von der zweiten Reihe aus, huldigen zu können. Mit einem Spaziergang, der eine viertel Stunde in Anspruch nahm, wurde man auf Trab gehalten und dann in die Schranken verwiesen.
PUNKT 16:35 - WHAT'S UP GERMANY? YA WANNA ROCK?
Bekannt für Ihre extravaganten Outfits, stürmt Juliette Lewis auch dieses Mal mit einer schwarzen Federpracht auf ihren Schultern, einer hautengen, Pailletten besetzten Pants und einem breiten Grinsen auf dem Gesicht die Center. Das weibliche Abbild des Rock 'n Rolls, erobert die Hauptbühne am Nürburgring und das Publikum gleichermaßen.
Gefühlte 100 Grad. Diese Stimme hat eine unglaubliche Präsenz, die eine unweigerlich Gänsehaut nach sich zieht. Neben älteren Stücken, spielten Juliette & the new Romantiques auch Songs der neuen "Terra Incognita" Platte. Bei "Hard Lovin' Woman" war es um mich geschehen, Atemstillstand. Ein Blues, den John Lee Hooker nicht besser hervorgebracht hätte. Zwar fehlte der Hut und das Whiskyglas - aber der Blues, der verdammte Blues berührte jeden Einzelnen, der in diesem Moment auf die gigantische Leinwand starrte. Man konnte die Musik fühlen, von Kopf bis Fuß. In genau diesen 5 Minuten, hatte man schier das Gefühl den Boden unter seinen Füßen atmen hören zu können - hätte das Herz nicht so laut gepocht.
Angefixt von Hard Lovin Woman lässt Juliette es sich natürlich nicht nehmen, Ihren Evergreen "Got Love To Kill" herauszuschmettern. Auch einer meiner absoluten Favoriten. Fast dreist flirtet Sie mit dem Publikum und mit einem leise gestöhnten "ohohoh-hehehe" hechtet Sie über die Stage, als hätte man ihr das Adrenalin intravenös verabreicht. Die Bühnenshow hat keine Special Effects, keine aufwendige Lightshow oder ähnliches. Nur diese einzigartige Stimme und eine unglaubliche Ladung Sexappeal reißt die Menge in Ihren Bann. Dann kommt die Situation von der wohl jeder Fan träumt und seine feuchten Träume an nichts geringeres bindet - Juliette springt graziös von der Bühne, stürmt auf die Menge zu und lässt die vorderen Reihen die "Stardrug" testen, die so manchen schon in Ohnmacht fallen lassen hat.
Sie kommuniziert mit den Fans und man merkt Ihr an, dass Sie für diese Art von Musik geboren ist. Der Kontakt mit der Crowd macht sie glücklich. "What's my name?" -"Juliiiiette!!!" Diesem einseitigen - aber doch wirksamen hin und her Spielchen hatte ich schon am ersten Tag des Ringfestivals den Stimmverlust zu verdanken. Natürlich rühmte die Rockgöre nicht nur sich selbst, jedes Mitglied der Band legte ein kurzes Solo ein und wurde von Juliette & der von Ihr aufgepeitschten Menge gefeiert.
Nachträglich muss ich jedoch ein eher dürftiges Resümee bezüglich des Publikums ziehen. Immer wieder gibt es Menschen, die ein Konzert mit einer CD in Ihrem CD-Spieler verwechseln und somit den Künstlern nur wenig Tribut zollen, für die enormen Leistungen die diese auf der Konzertbühne erbringen. Keine lauten "Zugabe" Rufe ertönten & für das, was diese Sängerin auf diesen Brettern vollführt hat, bekam Sie nur einen Bruchteil dessen, was Ihr eigentlich zugestanden hätte. Das Fazit für Juliette Lewis, wie erwartet: UNÜBERTROFFEN!
Carmen , 22.06.2009
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