Konzertbericht
Airbourne, Sick Of It All, New Model Army, Agnostic Front, Danko Jones
Devilside-Campus To Hell 2010
Essen
04.07.2010
4. Juli 2010, gute Zeiten, schöne Zeiten, super Sonnenwetter, Deutschland hat gerade Argentinien zerstört und auf dem Unigelände in Essen wurde an dem Tag auf den Picknickdecken kein Kaffee getrunken und wat gelernt. Für 10 Stunden hieß es auf einer kleinen Parkwiese diesmal Pommes essen, Plastikkübel Bier exen und sich schön die volle Gitarrendröhnung zu verpassen. 21 Bands, 13 Stunden, enger Zeitplan, gelöst mit zwei gegenüberliegenden Bühnen. So konnte ohne Pause durchgespielt werden und der bunt gemischte Pulk an Leuten hat sich dann zwischen jedem Set entlüftet und neu gemischt. Das Lineup des Festivals rief eher langhaarige Kuttenträger als enghosige Modefrisuren auf’s Gelände und in schönster Ruhrpottmanier gab es Bier aus Plastikbechern oder Literkübeln, zu einem sehr fairen Preis und über viele Tränken verteilt. Dazu Pommes und Burger an der Freßmeile und man war versorgt. Es gab so gut wie kein Anstehen, weder am Eingang noch an den Theken, die Security war ausgesprochen professionell und nett und auch organisatorisch generell gab es wirklich nichts zu bemängeln. So konnte man sich voll auf die Musik konzentrieren und da wurde den 6000 Besuchern eine gute Mischung aus Rock, Hardcore und Punk geliefert.
Anstoß hatten V8 Wankers, gefolgt von Black Spiders. Leider haben Throwdown abgesagt, wurden ersetzt durch die heimischen Pottkapelle Failed Perfection. Die bis dahinige Mischung aus Rock und Metal hielt mit den steigenden Temperaturen mit und es wurde warm. Bei den Münsteraner Metalcore Athleten Neaera hatte dann fast jeder sein schwarzes T Shirt am Mann und hier trieb die Doublebass den Pit und die mittlerweile standardmäßige Wall of Death. Laune und Pegel stieg, und damit auch der Sinn des Festivals. Sonic Syndicate aus Schweden legten gleich noch nach, kompakt und fett hier, melodisch da und der guten Laune noch was nachtretend. Der Sound war übrigens durchweg gut, auch wenn recht leise, die Ohren dankten es einem dann aber doch abends im Bett.
Unter einer riesigen Art von Vogel auf der Fahne Devil Drivers flogen dann wieder die Matten, und die Thrashmetalattacke schoß einige Pits in die Masse. Die Norddeutschen Smoke Blow laberten sich durchaus unterhaltsam der Arsch wund, die gute Laune merkte man aber auch vor der Bühne und es war eine angenehme Abwechslung vom Metalfest der vorherigen Bands. Nochmehr langhaarige Kutten sammelten sich dann an den Bierbuden als Mr. Irish Bastard ihren Volskmusik/Punk übers Gelände tanzten. Wie süß manchmal Melodien doch klingen können zwischen all dem Drop B Geprügel vieler Bandnachbarn. Gegenüber sammelten sich dann schon einmal Freunde der harten Riffs und weichen Refrains, Emil Bulls gab einen zum Besten, mit sattem Gekloppe und neumetallischem Gesinge. Kam gut an, ging auch gut ab. Mad Sins waren dann drauf und dran die Gepardenfelle und Hot Rod Fahrer durchzuzählen, Psychobilly vom Feinsten.
Nicht viel zu sagen braucht man dann über Roger Miret, Vinnie Stigma und Agnostic Front. Seit über 25 Jahren ballern die Jungs ihre Musik durch die Welt, und ihre Hits von der Bühne an diesem Tag. Angeblich nahmen die Jungs das Set auf um NYC "zu zeigen, wie es gemacht wird", und gemacht wurde es sehr sehr gut, der Rasen war voll und es wurde gegröhlt, getantzt und gesungen. "Gotta Go" konnte textlich wohl jeder singen, wenn die Stimmbänder noch konnten. Danach kam das Highlight für mich an dem Tag, Snapcase sind wieder unterwegs, paßten auch sehr gut ins Line up mit ihrem experimentellen Hardcore mit Charakter, aber nicht viele schienen diese Begeisterung zu teilen, so daß es doch leider sehr leer war vor der Bühne. Trotzdem gaben die Jungs was sie konnten und machten ihrem Ruf als herausragende Liveband alle Ehre.
Dann kamen Fear Factory und damit ein Stakkatogewitter an Fettheit. Immer noch so präzise und krachend wie in den 90ern und immer noch so gefeiert. Die Matten flogen selbst in den Büschen zwischen Bühne und Bierbude. Dann gab es wieder was andere, Crossover, mit Zebrahead, aber auch hier wurden die Mühen eifrig vom Publikum quittiert. Metal wie Metal ist lieferten dann Overkill, und wer seinen Nacken nicht mit Currywürsten gestärkt hatte, konnte hier durchaus mal Probleme bekommen. Andere Muskelgruppen (mehr die Schenkelgegend) waren dann bei Danko Jones gefragt und die Jungs hielten die Meute bei Laune und die Energie auf Vollspeicher auf dem mittlerweile nach Fußball Umkleide duftendem Rasen. Dann hieß es ein wenig entspannen mit New Model Army. Auch hier eine musikalische Legende auf dem Platz und das Publikum zeigte sich wertschätzend durch heiseres Mitgröhlen bei ihren vielen und eingängigen Klassikern. Die Hörner hoch hiess es dann bei Amon Amarth und zurück zum Metal. Mittelalter trifft Vikinger, Leder trifft Eiergequetsche, traumhafte Kombo für den Grossteil der Meute.
Dann kamen Sick of It All, ebenso wie Agonstic Front braucht es hier kaum einer Vorstellung, Vor allem in Deutschland werden die Jungs gehuldigt wie sonst nichts in der kleinen Familie der Hardcoreprofis. Gut gemischt aus allen Alben gab es voll aufs Maul, mit gewohnter guter Laune kloppten die Jungs ihre Klassiker sowie auch ein paar Stücke ihrer neuen und sehr guten Platte in die Meute halbnackter Halbbesoffener. Circlepits auch hier wieder Standard, ebenso wie die Wall of Death (man munkelt ja sie wurde damals von eben den Jungs ausgetüftelt). Absolut überzeugende Show.
Den Abschluß der ganzen Sause machten dann Airborne, trotz der vielen sehr starken Bands lieferten die AC/DC Kinder die passende Abschiedsleistung. Treibend, mitreißend und knackig. Es war dann auch dunkel genug für die obligatorische Lichtshow und nach 12 Stunden Gitarrengeballer eine gute Wahl am Ende.
Was soll man sagen, das Devilside (oder Campus to Hell oder Sunday Matinee from Hell, oder wie es auch hieß) entwickelt sich sehr schnell zu einem der schönsten Ein-Tages-Festivals in Deutschland. Schön, daß es im Pott ist, schön, daß so viele nette Leute kommen, schön, daß es keine Abzocke ist und schön, daß es einfach Spaß macht, in fast schon entspannter Picknick Atmosphäre den ganzen Tag Musik zu hören. Und nicht irgendeine Musik sondern ein sehr vorzeigbares und sehr gut gemischtes Gebräu aus vielen Stilen und Herkünften. Organisatorisch top und dem Ruhrpott als ehrliche und begeisterte Region alle Ehre machend. Wollen wir nur hoffen, daß es auch beim nächsten Mal genauso ehrlich und rustikal sein wird und nicht in einer kommerziellen Massenunterhaltung endet. Denn das wäre Scheiße.
stephan meyer, 16.07.2010
TRACKLIST
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